Synergie durch Vielfalt

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Was ist Vielfalt

Menschen unterscheiden sich in Sprache, Werten, Alter, Bildungshintergrund, Geschlecht, Denkweisen, sozialer Herkunft, Beruf, persönlichen Vorlieben, Familienstand usw. Die Bandbreite reicht von sichtbaren zu unsichtbaren Merkmalen, von aufgabenbezogenen zu beziehungsorientierten Merkmalen. Diese Vielfalt fassbar zu machen, damit beschäftigen sich Diversity-ExpertInnen und -PraktikerInnen. Denn für Unternehmen führt Vielfalt einerseits dazu, dass Arbeits- und Führungsstile sowie Prozesse und Systeme divergieren; andererseits bedeutet Vielfalt auch, dass MitarbeiterInnen Gemeinsamkeiten verspüren und darüber Identifikation mit ihren KollegInnen und mit dem Unternehmen aufbauen. Hieraus ergeben sich Potenziale, die es durch ein gezieltes Diversity Management zu gestalten und zu nutzen gilt.


Kulturkontakt durch Globalisierung

  Kulturkontakt

Die Internationalisierung der Wirtschaftsbeziehungen schlägt sich in internationalen Lieferantenbeziehungen, grenzüberschreitenden Mergers & Acquisitions (M&A), globalen strategischen Allianzen und Netzwerken nieder. Die Exporte und Importe in Deutschland stiegen kontinuierlich an und erreichten 2006 Rekordhöhe: Laut Statistischem Bundesamt wurden Waren in Höhe von 893,0 Milliarden Euro exportiert und im Wert von 734,0 Milliarden Euro importiert. Nach einer Studie von Ernst & Young boomt der Transaktionsmarkt und wird in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter zunehmen. Ende des Jahres 2005 lag die Anzahl der Transaktionen mit deutscher Beteiligung bei 1.488 mit einem Volumen von 145,1 Milliarden US-Dollar. Ein weiteres Beispiel kommt aus der Automobilbranche: Bei zunehmender Wertschöpfung wird laut der Unternehmensberatung Mercer der Anteil von internationalen Kooperationen im Vergleich zur Eigenproduktion im Jahre 2015 auf 77 Prozent ansteigen; 2002 lag der Wert bei 65 Prozent.
Diese Internationalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten verstärkt die kulturelle Vielfalt im Arbeitsleben: In und zwischen Unternehmen treten Geschäftsleute und MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen Regionen, Ländern und auch Kontinenten in Kontakt.


Was können sich Unternehmen von Vielfalt versprechen?

Das Entscheidende ist, nicht Schubladen nach Herkunft oder Sprache aufzumachen, sondern die Menschen in ihren Eigenschaften zu erkennen, zu respektieren und wertzuschätzen. Ein Unternehmen,

  • das nach Innovation strebt, um sich vom Mitbewerber abzugrenzen,
  • das neue Märkte betritt, um seine Produkte im Ausland anzubieten,
  • das im Inland neue Kundengruppen anspricht, um Marktanteile zu erhöhen,
  • das High Potentials an sich binden möchte, um auch morgen erfolgreich zu sein,

ein solches Unternehmen braucht Vielfalt. Denn Vielfalt bedeutet

  • unterschiedliche Sichtweisen,
  • Kultur- und Landeskompetenzen,
  • Gespür für diverse Kundengruppen sowie
  • Entfaltungsspielraum für MitarbeiterInnen.

In der international angelegten Studie „Cultural Diversity Management - Deutschland hinkt hinterher“ der Bertelsmann Stiftung gaben Unternehmen an, dass sie in folgenden drei Rubriken Synergieeffekte durch Vielfalt verbuchen konnten:

  • Konfliktreduktion und Zufriedenheit
  • Kundenorientierung und Marktzugang
  • Zusammenarbeit und internationaler Erfolg

Zugänge zu Diversity Management

Synergieeffekte und ihre Merkmale

Synergieeffekte

Elemente

Perspektive

Maßnahmen

Konfliktreduktion und Zufriedenheit
Mitarbeiterzufriedenheit, Erhöhung der Motivation, Verringerung der Fluktuation
Diskriminierungs- und Fairnessansatz
Quotenregelung, diskriminierungsfreies Recruiting, Arbeitszeitregelungen
Kundenorientierung und Marktzugang
Kundenorientierung, Gewinnung neuer Märkte, Entwicklung zielgruppenspezifischer Produkte
Marktzugangs- und Legitimitätsansatz
Mitarbeitereinsatz nach kulturellem Hintergrund
Zusammenarbeit und internationaler Erfolg
Kreativität und Innovation, Weiterentwicklung zu einer lernenden Organisation
Lern- und Effektivitätsansatz
Anpassung der Unternehmenskultur in Strukturen, Prozessen und Selbstverständnis

Welche Wege zum Thema Diversity Management sind nun besonders vielversprechend? Die Diversity Forscher David Thomas und Robin Ely, die in den USA verschiedene Studien zum Umgang mit Vielfalt durchgeführt haben, sehen drei zentrale Zugänge:

Konfliktreduktion und Zufriedenheit

Ähnlich wie beim Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz steht die Vermeidung bzw. „Glättung“ von Konflikten im Vordergrund. Kulturelle Unterschiede werden dabei eher als Problem denn als Potenzial gesehen; es liegt eindefizitäres Verständnis zugrunde. In jedem Fall ist der Aufbau einer diskriminierungsfreien Unternehmung, in der MitarbeiterInnen ungeachtet ihrer Herkunft arbeiten und akzeptiert werden, eine Voraussetzung, dass sich besonders Mitglieder von Minderheiten wohlfühlen. Außerdem führt die Reduktion von Konflikten zu weniger Stress und Belastung, sodass MitarbeiterInnen einen höheren Grad an Zufriedenheit, Mitgliedschaft und Motivation verspüren.

Kundenorientierung und Marktzugang

Eine wachsende Zahl an Unternehmen sieht aufgrund der Vielfalt in den Kundengruppen die Notwendigkeit, sich intern entsprechend aufzustellen und die externe Vielfalt widerzuspiegeln. Insbesondere Vertrieb, Marketing und Service werden mit MitarbeiterInnen aus denselben kulturellen Hintergründen wie die KundInnen besetzt. Unternehmen mit diesem Marktzugangs- und Legitimitätsansatz erhoffen sich damit, fremde Märkte und Kundengruppen besser zu bedienen.

Dieses Phänomen wird auch als „Ethnomarketing“ bezeichnet; damit werden insbesondere die oben erwähnten 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen, deren Kaufkraft zwischen 20 und 40 Milliarden Euro im Jahr liegt. So werden in Stadtvierteln mit hoher türkischer Bevölkerung Filialen aufgebaut, deren KundenbetreuerInnen türkischstämmig sind, damit sie sowohl dieselbe Sprache sprechen als auch die Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer KundInnen besser berücksichtigen können. Darüber hinaus werden Produkte und Dienstleistungen speziell für kulturelle Kundengruppen entwickelt, sei für die türkische Bevölkerung in Deutschland oder auch für den chinesischen
Markt im Ausland.

Zusammenarbeit und internationaler Erfolg

Schließlich streben Unternehmen mit der Lern- und Effektivitätsperspektive durch gegenseitigen Austausch nach einer Weiterentwicklung der Gesamtorganisation. Das Unternehmen ist durch die Fähigkeit zu lernen geprägt: Vielfalt in Perspektiven, Methoden, Erfahrungen, Wissen und Kompetenzen regt an, voneinander zu lernen, neue Impulse aufzunehmen und Neues zu Entwicklung zielgruppenspezifischer Produkte, geht jedoch darüber hinaus, indem in einem angeregten Problemlösungsprozess Ergebnisse entstehen, die über Bekanntes hinausreichen. Um diese Offenheit und Bereitschaft im Unternehmen zu implementieren, bedarf es einer gewaltigen Anstrengung, denn die meisten Strukturen und auch menschlichen Bedürfnisse sind auf Erhalt des Bekannten ausgerichtet. Der Unternehmenskultur kommt eine zentrale Bedeutung zu, diesen Geist der Veränderung im Hause zu verankern.


*) Auszug aus der Studie Synergie durch Vielfalt, Petra Köppel, Dominik Sandner, Gütersloh 2008

Download PDF Download der Studie (PDF 2,07MB)


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Führung, Vielfalt &
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Dienstag, 26.10.2010
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