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Die KulturmittlerInnen der ThyssenKrupp Steel AG

„Wir begreifen Interkulturalität im Unternehmen als Stärke und als Chance für Kreativität und Wertschöpfung“, sagt Dieter Kroll, Arbeitsdirektor der ThyssenKrupp Steel AG. Das Unternehmen ist mit seinem Standort in Duisburg in einer sehr stark migrationsgeprägten Gegend angesiedelt. Dies drückt sich auch in seiner Beschäftigungsstruktur mit ca. 16 Prozent ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund aus.

Die Integration von ausländischen ArbeitnehmerInnen hat bereits eine lange Tradition im Unternehmen. Beispielhaft für diese Bemühungen sind die Betriebsvereinbarung zur Gleichbehandlung, die Mitwirkung in europäischen Projekten wie dem Xenos-Projekt (unter Initiative der IG-Metall) und zahlreiche Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung.
Bei einer multikulturell zusammengesetzten Belegschaft ist interkulturelle Kompetenz ein entscheidender (auch wirtschaftlicher) Erfolgsfaktor. Dies bedeutet, im Arbeitsalltag mit KollegInnen unterschiedlicher Herkunft adäquat kommunizieren zu können, bei der Bewältigung der Aufgaben mögliche Konfliktfelder vorausschauend zu erkennen und Konflikten mit einem Repertoire von Handlungsmöglichkeiten begegnen zu können. Hier setzt die Arbeit unserer KulturmittlerInnen an. Sie bewegt sich insbesondere in folgenden Feldern:

  • Das Erkennen von Problemfeldern (Problemwahrnehmung, Sensibilisierung)
  • Gewaltfreie Konfliktbehandlung (Klärung, Aushandlung und Vermittlung von Lösungsmöglichkeiten)
  • Wahrnehmung von Mittlertätigkeiten im Arbeitsalltag
  • Transparenz von kulturbedingten Konfliktfeldern in der Mitarbeiterschaft für die präventive Vermeidung von Konflikten und Bestärkung der Unternehmenskultur

Die Ausbildung der Vertrauensleute zu KulturmittlerInnen

Seit 2002 haben rund 70 Vertrauensleute bei der ThyssenKrupp Steel AG eine Kulturmittler-Ausbildung durchlaufen. Sie haben gelernt, mit alltäglichen Konflikten, die auf unterschiedlichen kulturellen Hintergründen beruhen, umzugehen und den Dialog der verschiedenen Menschen zu steuern.
Die Ausbildung umfasst 120 Stunden, die teilweise mit Urlaub und Schichtentausch belegt werden müssen. Für einen größeren Teil der Ausbildung werden die Vertrauensleute vom Unternehmen nach Möglichkeit freigestellt. Zentrale Themen sind:

  • Schaffung, Förderung und Initiierung einer Vertrauenskultur im Betrieb und sozialen Umfeld
  • Vernetzung und Implementierung von konstruktiver Konfliktkultur
  • Gestaltung eines aktiven Kommunikationsprozesses
  • Vorbildverhalten in Konfliktsituationen
  • Gesellschaftliches Engagement im Rahmen der Unternehmenskultur
  • Vorbilder anhand erfolgreicher Berufsbiographien von MitarbeiterInnen unterschiedlicher kultureller Herkunft im Unternehmen

Alle so ausgebildeten Vertrauensleute sind mit Begeisterung Vermittler zwischen den Kulturen. Dass es gerade die Vertrauensleute sind, ist naheliegend: Sie sind in den Bereichen, in denen sie arbeiten, von ihren Kolleginnen und Kollegen gewählt.

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Einsatz und wirtschaftlicher Nutzen der KulturmittlerInnen

Ein Beispiel aus dem Unternehmensalltag: Die moslemischen KollegInnen im Betrieb fasten auf Grund des Ramadan. 30 Tage lang folgen sie dem Ritual, tagsüber keine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Zur vorgegebenen Zeit wird das Fasten unterbrochen. Dies hat zur Folge, dass der betriebliche Ablauf verändert wird. Neue Absprachen müssen unter den KollegInnen getroffen werden, um gewohnte Pausenzeiten zu verschieben. Solche kulturellen Unterschiede können zu Konflikten führen, auch wenn es augenscheinlich nur einer kurzen Absprache unter KollegInnen bedarf. In diesen Situationen fungieren KulturmittlerInnen als Bindeglied. Sie informieren präventiv über die kulturellen Hintergründe der KollegInnen und schaffen damit gegenseitiges Verständnis. Dadurch haben sich die Konflikte aufgrund kultureller Unterschiede stark reduziert.
Ein gut zusammenarbeitendes Team garantiert einen reibungslosen Verlauf von betrieblichen Prozessen. Eine Steigerung der Produktivität und somit auch der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens ist das Resultat. Um den Erfolg auch langfristig zu sichern und einen Austausch unter den KulturmittlerInnen zu gewährleisten, werden in regelmäßigen Treffen Projekte bearbeitet sowie Aktionen vorbereitet und präsentiert, zum Beispiel die Durchführung von Diskussions- und Kulturabenden sowohl im Betrieb als auch in der Stadt Duisburg.
Aktuell beschäftigen sich die KulturmittlerInnen auch mit der Begleitung des Baues eines integrierten Hüttenwerkes in Brasilien. Dabei stehen vor allem Fragen rund um die Themen Chancengleichheit am Arbeitsplatz, Sicherung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie Fragen zu internationalen Kernarbeitsnormen im Mittelpunkt. Brasilianische IngenieurInnen, TechnikerInnen und FacharbeiterInnen sind in Duisburg, um sich im Werk fortbilden zu lassen. Sie arbeiten mit den dort tätigen KollegInnen zusammen. Die Integration der brasilianischen KollegInnen zu fördern, beiderseitigen Vorurteilen zu begegnen und ein offenes Betriebsklima zu schaffen ist eine Herausforderung für alle MitarbeiterInnen und eine spezielle Aufgabe für die KulturmittlerInnen bei der ThyssenKrupp Steel AG.
Dies erfordert besondere Kenntnisse: In einem einwöchigen Workshop erwarben die KulturmittlerInnen Hintergrundwissen zu den geographischen, politischen und sozialen Bedingungen in dem neuen Produktionsland Brasilien. Dieses Know-how wird nun in die Belegschaft transferiert, mit dem Ziel, den Informationsfluss in den Betrieben zu steigern und die Zusammenarbeit der multikulturellen KollegInnen zu unterstützen. Die KulturmittlerInnen planen derzeit einen deutsch-brasilianischen Kulturabend. Im Vordergrund stehen dabei das persönliche Kennenlernen und der Erfahrungsaustausch. Dadurch sollen der Teamgedanke gefördert und ein tieferes Verständnis für so manche vorher irritierende und kulturell bedingte Verhaltensweise auf beiden Seiten entwickelt werden. Eine vorbehaltlose Zusammenarbeit in einem multikulturellen Team gewährleistet, dass der Wissenstransfer zwischen den Duisburger und brasilianischen KollegInnen stattfindet.
Ein lückenloser Know-how-Austausch und die Nutzung von kulturspezifischen Kompetenzen und Wissen sind aus unternehmerischer Sicht von hoher Bedeutung: Die zeitgerechte und erfolgreiche Inbetriebnahme des brasilianischen Werkes wird dadurch maßgeblich beeinflusst, was wiederum positive Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes hat.

Fazit

Eine Anerkennung der wichtigen gesellschaftlichen Arbeit der KulturmittlerInnen bei der ThyssenKrupp Steel AG war die Verleihung des Duisburger Preises für Toleranz und Zivilcourage 2005 durch den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück an die Initiatorin des Kulturmittlerprojektes, Annegret Finke, Vertrauenskörperleiterin und Betriebsrätin im Unternehmen. Sie bezeichnete die Auszeichnung als „Ehre und Ansporn“ und führte aus: „Man legt den Kulturmittler bei Schichtende nicht am Werkstor ab wie einen Helm, sondern nimmt ihn mit hinaus in die Gesellschaft, in die Nachbarschaft des Werkes, in die Vereine.“ Zusammenfassend steht die Gruppe der KulturmittlerInnen für die praktische und lebensnahe Umsetzung der internationalen als auch der regionalen Ausrichtung der Unternehmenskultur von ThyssenKrupp Steel AG. In den Führungsetagen ist man sich darüber klar, dass die Arbeit der KulturmittlerInnen dem Betriebsklima, der möglichst reibungslosen Kommunikation unter den Beschäftigten und damit auch der Wirtschaftlichkeit dient.

Unternehmensinformationen

Das Unternehmen Die ThyssenKrupp Steel AG ist mit einer Rohstahlproduktion von rund 14 Millionen Tonnen im Jahr der größte Stahlproduzent in Deutschland. Das Unternehmen konzentriert sich auf Herstellung und Vertrieb hochwertiger Flachprodukte aus Qualitätsstahl. Einschließlich der Tochterunternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Veredelung und Verarbeitung erzielte die ThyssenKrupp Steel AG im vergangenen Geschäftsjahr (1. Oktober 2005 bis 30. September 2006) einen Umsatz von rund 10,7 Milliarden Euro und beschäftigte mehr als 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Hauptsitz der ThyssenKrupp Steel AG ist Duisburg, wo das Unternehmen eines der größten und produktivsten integrierten Hüttenwerke der Welt betreibt. Mit weiteren Produktionsstätten ist das Unternehmen in verschiedenen Ländern Europas, in China, in den USA und in Mexiko präsent. Im Bau ist ein integriertes Hüttenwerk in Brasilien mit einer Kapazität von fünf Millionen Tonnen Stahl im Jahr. Die wichtigsten Kundengruppen der ThyssenKrupp Steel AG sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Verpackungsindustrie, die Haushalt- und Elektrogeräteindustrie sowie die Bauindustrie.

Autorin: Ayten Hamdemir

Auszug aus: Petra Köppel und Dominik Sandner (2008): Synergie durch Vielfalt, Gütersloh


Zehn Jahre KulturmittlerInnen

2012 konnte ThyssenKrupp ein schönes Jubiläum feiern: die KulturmittlerInnen helfen bereits seit zehn Jahren erfolgreich mit, ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Zudem haben die KulturmittlerInnen nun eine eigene Website.

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